Einen erwachsenen Hund zu adoptieren ist eine bereichernde Erfahrung, die sich erheblich von der Adoption eines Welpen unterscheidet. Entgegen weitverbreiteter Vorurteile bringen erwachsene Hunde viele Vorteile mit sich und können wunderbare Begleiter für die ganze Familie werden. Dieser Ratgeber begleitet dich durch alle Schritte dieses schönen Abenteuers.
Warum einen erwachsenen Hund wählen
Die verkannten Vorteile der Erwachsenenadoption
Die Adoption eines erwachsenen Hundes bietet beträchtliche Vorteile, die von künftigen Hundebesitzern oft übersehen werden:
- Gefestigter Charakter: Du kennst von Anfang an das Wesen des Hundes, seine Gewohnheiten und Vorlieben
- Grundlegende Erziehung: Die meisten beherrschen wichtige Kommandos und Stubenreinheit
- Weniger zerstörerische Energie: Schluss mit angeknabberten Schuhen und zerkratzten Möbeln
- Endgültige Größe: Keine Überraschungen mehr bezüglich der finalen Körpergröße
- Sofortige Dankbarkeit: Die Bindung entsteht schnell zu einem dankbaren Tier
Vorurteile überwinden
Viele falsche Vorstellungen kursieren über die Adoption erwachsener Hunde:
Entgegen landläufiger Meinungen kann sich ein erwachsener Hund durchaus an eine neue Familie binden. Hunde sind anpassungsfähige Tiere, die ihr ganzes Leben lang Bindungen eingehen können.
Erwachsene Hunde sind nicht zwangsläufig "beschädigt" oder "problematisch". Viele landen im Tierheim aus Gründen, die nichts mit ihrem Verhalten zu tun haben: Umzug, Allergie, Geburt eines Kindes oder Tod des Besitzers.
Deine Situation vor der Adoption einschätzen
Deine Bedürfnisse und Einschränkungen analysieren
Bevor du dich für die Adoption eines erwachsenen Hundes entscheidest, ist eine gründliche Überlegung nötig:
Dein Lebensstil:
- Verfügbare Zeit für Spaziergänge und Aufmerksamkeit
- Wohnraum (Wohnung, Haus mit Garten)
- Vorhandensein anderer Tiere oder Kinder
- Monatliches Budget für Unterhalt und Tierarztkosten
Deine Vorlieben:
- Gewünschtes Aktivitätsniveau (sportlicher oder ruhiger Hund)
- Für deine Wohnung geeignete Hundegröße
- Kompatibilität mit deinen Familienaktivitäten
Die richtige Rasse oder das passende Profil wählen
Bestimmte Rassen eignen sich besser für die späte Adoption:
- Ruhige Rassen: Cavalier King Charles Spaniel, Französische Bulldogge, Basset Hound
- Anpassungsfähige Rassen: Golden Retriever, Labrador Retriever, Englischer Cocker Spaniel
- Kleine Hunde: Bichon Frisé, Shih Tzu, gut sozialisierte Jack Russell Terrier
Konzentriere dich nicht nur auf die Rasse. Der individuelle Charakter und die Geschichte des Hundes sind oft entscheidender als seine genetische Herkunft.
Wo du deinen künftigen Begleiter findest
Tierheime und Tierschutzvereine
Tierheime bleiben die beste Option zur Adoption eines erwachsenen Hundes:
Vorteile:
- Geimpfte, kastrierte und registrierte Hunde
- Detaillierte Informationen über das Verhalten
- Nachbetreuung nach der Adoption
- Angemessene Adoptionsgebühr (100-300€)
- Oft angebotene Probezeit
Wie du richtig wählst:
- Besuche den Hund, der dich interessiert, mehrmals
- Stelle gezielt Fragen zu seiner Vergangenheit
- Bitte darum, mit ihm außerhalb des Tierheims spazieren zu gehen
- Beobachte seine Reaktionen auf andere Hunde und Menschen
Weitere Adoptionsmöglichkeiten
Spezialisierte Vereine:
Manche Vereine konzentrieren sich auf bestimmte Rassen oder spezielle Profile (Deutscher Schäferhund, Senioren-Hunde, etc.).
Privatpersonen:
Anzeigenportale oder soziale Netzwerke, aber Vorsicht bei Haltungsbedingungen und Tiergesundheit ist geboten.
Hüte dich vor "getarnten Verkäufen". Eine echte Abgabe verlangt normalerweise nur eine Beteiligung an den Tierarztkosten.
Die Ankunft deines erwachsenen Hundes vorbereiten
Die wichtigste Ausstattung
Dein neuer Begleiter benötigt eine passende Ausrüstung ab seiner Ankunft:
Unverzichtbar:
- Halsband und Leine in seiner Größe
- Näpfe für Wasser und Futter (Edelstahl oder Keramik)
- Bequemer Korb oder Kissen
- Verschiedene Spielzeuge (Seil, Ball, Kuscheltier)
- Für den Felltyp geeignete Bürste
Für den Komfort:
- Decke zum Schutz der Couch
- Sicherheitsgitter falls nötig
- Transportbox für Autofahrten
Die Umgebung sicher machen
Ein erwachsener Hund kann weniger zerstörerisch als ein Welpe sein, aber einige Vorsichtsmaßnahmen bleiben nötig:
- Wertvolle oder gefährliche Gegenstände wegräumen
- Mülleimer sichern
- Gartenzaun überprüfen
- Giftige Pflanzen identifizieren
Die Eingewöhnungszeit kann je nach Hundegeschichte und deiner Geduld von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten dauern.
Die ersten Wochen: Die Eingliederung meistern
Die kritische Zeit der ersten 15 Tage
Diese Phase bestimmt weitgehend den Erfolg der Adoption. Dein erwachsener Hund muss seine neue Umgebung kennenlernen:
Erste Woche:
- Ruhige Umgebung aufrechterhalten
- Klare Routine etablieren (Fütterung, Ausgänge, Schlafenszeit)
- Besuche und außergewöhnliche Ausflüge begrenzen
- Seine Reaktionen und Gewohnheiten aufmerksam beobachten
Zweite Woche:
- Schrittweise neue Reize einführen
- Mit sanfter Erziehung beginnen, falls nötig
- Spaziergänge ausweiten
- Gutes Verhalten positiv verstärken
Problematisches Verhalten handhaben
Manche Verhaltensstörungen können vorübergehend auftreten:
Stress und Angst:
- Vorübergehender Appetitverlust
- Übermäßiges Suchen nach Aufmerksamkeit
- Punktuelle Zerstörung
- Gelegentliche Unsauberkeit
Lösungen:
- Geduld und Beständigkeit bei den Regeln
- Positives Verhalten belohnen
- Strafen vermeiden, die den Stress verstärken
- Bei Bedarf Verhaltenstherapeuten konsultieren
Beruhigende Pheromone (Diffusor) können einem gestressten erwachsenen Hund erheblich dabei helfen, sich an sein neues Zuhause zu gewöhnen.
Erziehung und Umerziehung des erwachsenen Hundes
Die Grundprinzipien
Entgegen landläufiger Meinung kann ein erwachsener Hund durchaus neue Verhaltensweisen lernen:
Wirksame Methoden:
- Positive Erziehung basierend auf Belohnung
- Kurze aber regelmäßige Einheiten (10-15 Minuten)
- Einheitlichkeit aller Familienmitglieder
- Geduld und Wiederholung
Prioritäre Kommandos:
- Rückruf ("Komm")
- Grundpositionen ("Sitz", "Platz", "Bleib")
- Leinenführigkeit ohne Ziehen
- "Stopp" oder "Nein" zum Unterbrechen eines Verhaltens
Schlechte Gewohnheiten korrigieren
Manche Hunde kommen mit unerwünschten Gewohnheiten an, die schrittweise korrigiert werden müssen:
Häufige Probleme:
- Übermäßiges Bellen
- Ziehen an der Leine
- Betteln am Tisch
- Ressourcenverteidigung
Versuche niemals, einen erwachsenen Hund mit Gewalt zu "dominieren". Dieser Ansatz kann Aggressivität schaffen und das Vertrauensverhältnis zerstören.
Gesundheit und tierärztliche Betreuung
Der erste Gesundheitscheck
Innerhalb von 15 Tagen nach der Adoption ist ein Tierarztbesuch nötig:
Empfohlene Untersuchungen:
- Allgemeine Kontrolle (Zähne, Ohren, Haut, Gelenke)
- Impfstatus prüfen und bei Bedarf auffrischen
- Parasitentest
- Gespräch über Kastration, falls nicht durchgeführt
- Erstellung des Betreuungsplans
Besonderheiten des erwachsenen Hundes
Erwachsene Hunde haben je nach Alter spezielle Bedürfnisse:
4-7 Jahre (erwachsenes Alter):
- Gewichts- und Konditionsüberwachung
- Regelmäßige körperliche Aktivität aufrechterhalten
- Vorbeugende Zahnpflege
7 Jahre und älter (Senior):
- Jährliche Blutuntersuchungen
- Besondere Aufmerksamkeit für die Gelenke
- Anpassung der Fütterung
- Überwachung von Alterungszeichen
Ein Tierheimhund kann eine unvollständige Krankengeschichte haben. Achte in den ersten Monaten auf erste Anzeichen von Gesundheitsproblemen.
Eine dauerhafte Beziehung aufbauen
Vertrauen schaffen
Die Beziehung zu einem erwachsenen Hund baut sich anders auf als zu einem Welpen:
Wichtige Schritte:
- Sein Anpassungstempo respektieren
- Positive Rituale schaffen (Spiele, Streicheleinheiten, Spaziergänge)
- Beständig in deinen Reaktionen und Erwartungen sein
- Ihm Sicherheit und Vorhersagbarkeit bieten
Aktivitäten zur Bindungsstärkung
Angepasste körperliche Übungen:
- Abwechslungsreiche tägliche Spaziergänge
- Apportier- und Wurfspiele
- Schwimmen für geeignete Rassen (Neufundländer, Golden Retriever)
- Wanderungen für energiegeladene Hunde
Geistige Stimulation:
- Such- und Fährtenspiele
- Futterspielzeug
- Erlernen neuer Tricks
- Entspannende Bürstensitzungen