Guide 112
Die Trächtigkeit bei Hündinnen ist eine entscheidende Phase, die besondere Aufmerksamkeit von Hundebesitzern und Züchtern erfordert. Diese Fortpflanzungsphase mit einer durchschnittlichen Dauer von 63 Tagen braucht sorgfältige Überwachung und angepasste Pflege, um die Gesundheit der Mutter und ihrer künftigen Welpen zu gewährleisten. Wenn du die verschiedenen Phasen und Anzeichen der Hundeschwangerschaft verstehst, kannst du deine Hündin während dieser außergewöhnlichen Zeit optimal begleiten.
Die Phasen der Hundeträchtigkeit
Dauer und Berechnung der Trächtigkeit
Die Trächtigkeitsdauer bei Hündinnen variiert normalerweise zwischen 58 und 68 Tagen, mit einem Durchschnitt von 63 Tagen. Die Berechnung erfolgt ab dem befruchtenden Deckakt, aber es ist wichtig zu wissen, dass:
- Die Befruchtung 2 bis 3 Tage nach der Paarung stattfinden kann
- Spermien bis zu 7 Tage im weiblichen Fortpflanzungstrakt überleben können
- Der Eisprung vor, während oder nach dem Deckakt auftreten kann
Im Gegensatz zu Menschen variiert die Trächtigkeitsdauer nicht wesentlich je nach Rassegröße, egal ob es sich um einen Chihuahua oder eine Deutsche Dogge handelt.
Die drei Trimester der Trächtigkeit
Erstes Trimester (0-21 Tage)
- Befruchtung und Einnistung der Embryonen
- Wenige äußerlich sichtbare Anzeichen
- Mögliche vorübergehende Appetitlosigkeit um den 21. Tag
- Bildung der lebenswichtigen Organe der Embryonen
Zweites Trimester (22-42 Tage)
- Rasante Fötalentwicklung
- Erste körperliche Anzeichen: Anschwellen der Zitzen
- Schrittweise Gewichtszunahme der Hündin
- Vollständige Organogenese der Welpen
Drittes Trimester (43-63 Tage)
- Schnelles Wachstum der Föten
- Sichtbar gerundeter Bauch
- Vorbereitung auf die Geburt
- Mögliche Produktion von Kolostrum
Anzeichen und Symptome der Trächtigkeit
Frühe Anzeichen (erste Wochen)
Die ersten Schwangerschaftssymptome bei Hündinnen können subtil sein:
- Verhaltensänderungen: Suche nach Zuneigung oder umgekehrt Rückzug
- Fressgewohnheiten: vorübergehende Appetitlosigkeit oder veränderte Futtervorlieben
- Müdigkeit und erhöhtes Ruhebedürfnis
- Leichter rosafarbener Scheidenausfluss
Bestätigte Anzeichen (nach 4 Wochen)
- Anschwellen der Zitzen und Rosafärbung der Brustwarzen
- Schrittweise aber deutliche Gewichtszunahme
- Zunahme des Bauchumfangs
- Veränderungen der Fellbeschaffenheit
Ein Tierarzt kann die Trächtigkeit durch Bauchpalpation ab dem 21. Tag oder per Ultraschall ab dem 25. Tag bestätigen.
Späte Anzeichen (letzte Wochen)
- Voluminöser und fester Bauch
- Sichtbare Welpenbewegungen
- Nestbauverhalten: Scharren, Suche nach ruhigen Plätzen
- Milcheinschuss: Muttermilchproduktion
Pflege und Fütterung während der Trächtigkeit
Angepasste Fütterung der trächtigen Hündin
Die Fütterung der trächtigen Hündin muss sich je nach Phase anpassen. Entdecke unsere detaillierten Empfehlungen zur Hundefütterung, um die Ernährung an jede Phase anzupassen:
Erste Wochen (0-5 Wochen)
- Gewohnte Fütterung beibehalten, falls sie ausgewogen ist
- Premium-Trockenfutter für erwachsene Hündinnen
- Plötzliche Futterumstellungen vermeiden
Letzte Wochen (6-9 Wochen)
- Umstellung auf Welpenfutter oder Trächtigkeits-/Laktationsfutter
- Erhöhung der Futterration um 25 bis 50%
- Aufteilung auf 3-4 Mahlzeiten täglich
- Mögliche Ergänzung mit Folsäure und Kalzium (nach tierärztlicher Beratung)
Niemals ohne tierärztliche Beratung mit Kalzium ergänzen, das kann bei der Geburt eine Eklampsie auslösen.
Bewegung und körperliche Aktivität
- Aktivität beibehalten aber Intensität anpassen
- Regelmäßige Spaziergänge aber kürzer
- Intensive Anstrengungen und raues Spiel vermeiden
- Schwimmen möglich, falls die Hündin daran gewöhnt ist
- Ruhe am Ende der Trächtigkeit bevorzugen
Wichtige tierärztliche Betreuung
Empfohlene tierärztliche Kontrollen:
- Trächtigkeitsbestätigung (3-4 Wochen)
- Kontroll-Ultraschall (5-6 Wochen)
- Röntgen zum Welpenzählen (7-8 Wochen)
- Vorgeburtliche Untersuchung (8. Woche)
Vorbereitung auf die Geburt
Für eine umfassende Begleitung konsultiere unseren detaillierten Leitfaden zur Geburt.
Raumgestaltung
Die Wurfkiste sollte 2 Wochen vor dem Termin vorbereitet werden:
- Abmessungen: die Hündin muss sich bequem ausstrecken können
- Ränder von 10-15 cm um das Erdrücken der Welpen zu vermeiden
- Materialien: glattes Holz, leicht zu reinigendes Plastik
- Einstreu: Zeitungen, saubere Handtücher, regelmäßig gewechselt
- Standort: ruhig, vor Zugluft geschützt
Geburtsausrüstung
Unverzichtbares Geburts-Set:
- Saubere und warme Handtücher
- Desinfizierte Schere (zum Durchtrennen der Nabelschnur)
- Sterilisierter Seidenfaden (zum Abbinden der Nabelschnur)
- Mildes Desinfektionsmittel (verdünnte Betaisodona)
- Thermometer zur Temperaturkontrolle
- Kontaktdaten des Nottierarztes
Die Körpertemperatur der Hündin sinkt etwa 24 Stunden vor der Geburt um 1°C, von 38,5°C auf 37,5°C.
Anzeichen für die bevorstehende Geburt
Vorgeburtsphase (12-24h vorher)
- Unruhe und Nestbauverhalten
- Komplette Appetitlosigkeit
- Temperaturabfall
- Hecheln und Zittern
- Möglicher Schleimpfropfenverlust
Besonderheiten nach Rassen
Rassen mit besonderen Risiken
Brachyzephale Rassen (Französische Bulldogge, Mops)
- Erhöhte Atemrisiken
- Kaiserschnitt oft notwendig
- Verstärkte tierärztliche Überwachung
Riesenrassen (Deutsche Dogge, Bernhardiner)
- Mögliche große Würfe
- Risiken einer Dystokie (Geburtsschwierigkeiten)
- Besondere Ernährungsüberwachung
Toy-Rassen (Yorkshire Terrier, Chihuahua)
- Kleine Würfe (1-3 Welpen)
- Risiken einer Hypokalzämie
- Kaiserschnitt häufig
Spezifische Anpassungen
- Arbeitshunde: schrittweise Einstellung der beruflichen Aktivität
- Langhaarige Rassen: Pflege der Dammregion vor der Geburt
- Empfindliche Rassen: verstärkte Überwachung von Gewicht und Allgemeinzustand
Mögliche Komplikationen
Trächtigkeitsstörungen
Embryonale Resorption
- Verschwinden der Embryonen zu Beginn der Trächtigkeit
- Oft symptomlos
- Ursachen: Stress, Infektionen, Nährstoffmängel
Abort
- Vorzeitige Ausstoßung der Föten
- Infektiöse oder traumatische Ursachen
- Erfordert Notfallkonsultation
Jede abnorme Blutung, übelriechender Ausfluss oder plötzliche Schwäche erfordern sofortige tierärztliche Behandlung.
Stoffwechselstörungen
Eklampsie (Laktationstetanie)
- Plötzlicher Abfall des Blutkalziums
- Symptome: Krämpfe, Muskelstarre
- Absoluter tierärztlicher Notfall
Schwangerschaftsdiabetes
- Häufiger bei älteren Hündinnen
- Blutzuckerüberwachung notwendig
- Spezifische Ernährungsanpassung. Konsultiere unseren Leitfaden über Diabetes beim Hund für weitere Informationen.
Überwachung nach dem Deckakt
Erste zu beobachtende Anzeichen
- Verhaltensänderungen ab 2-3 Wochen
- Entwicklung des Appetits und der Fressgewohnheiten
- Schrittweise körperliche Veränderungen
- Verhalten gegenüber anderen Tieren
Bestätigungstests
Ultraschall
- Möglich ab dem 22.-25. Tag
- Nicht-invasiv und ungefährlich
- Ermöglicht Schätzung der Welpenzahl
Bauchpalpation
- Durchgeführt von einem erfahrenen Tierarzt
- Möglich zwischen dem 21. und 35. Tag
- Verletzungsrisiko bei falscher Durchführung
Bluttest (Relaxin)
- Spezifisches Hormon der Trächtigkeit
- Zuverlässig ab dem 30. Tag
- Schnelles und präzises Ergebnis